Musik + X Vol. 12 Festival Kritik PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Alexander Kleinschrodt, KSTA   
07.06.2010

Geschichten vom Warten erzählt

Von Alexander Kleinschrodt, Kölner Stadt-Anzeiger vom 07.06.10

„Musik + X“ - im Rahmen der Reihe von Szene 93 ist eine Ausstellung zum Thema „Warten“ kuratiert worden, viele Fotos und Kurzfilme gab es zu sehen. Außerdem: ein Auftritt der Band „Trashboy“.

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In ungewöhlicher Präsentation kamen die Fotos zum Thema „Warten“ an. (Bild: Kleinschrodt) 

Erftstadt-Liblar - Auch wenn sie ganz offiziell von der Stadt unterstützt wird, die Kleine Bühne an der Poststraße in Liblar ist der Hort der Off-Kultur in Erftstadt. Hier arbeitet schon seit Jahren der Verein Szene 93, hier gibt es einen Freiraum fürs Ausprobieren, fürs einfach Machen. Ebenso gehen hier auch die Theaterinszenierungen des Vereins über die Bühne. Der Rhein-Erft-Kreis hat der Arbeit von Szene 93 gerade mit seinem Kulturpreis Anerkennung gezollt. Und nicht zuletzt: Es gibt hier auch gute Musik zu hören.

Langsamkeit der Schnecke

Das jüngste Projekt gehörte zur Reihe „Musik + X“, hier treffen Kunst, Lesung oder Comedy auf Musik-Acts der Region. Julia Nolte und Simon Hellmich haben diesmal eine Ausstellung initiiert, die um das Thema „Warten“ kreist. Teilnehmen konnte jeder, eine Jury oder irgendeinen Preis gab es nicht. Stattdessen war konsequente Individualität angesagt. „Als Ausgangspunkt hat uns das Warten interessiert, weil man damit alle möglichen Geschichten verbinden kann“, erklärt Julia Nolte.

Die Erkundungen zum Thema nahmen ganz unterschiedliche Formen an. Da wurde fotographisch der Langsamkeit der Schnecke nachgespürt, oder alltäglichen Situationen und Orten eine neue visuelle Wendung abgewonnen. Anne Cherniewski zum Beispiel zeigte eine Person (wohl sich selbst?) mittels Mehrfachbelichtung in unterschiedlichen Phasen des Wartens an der Bushaltestelle. „Das ist doch in Bliesheim, an der Linde“, sagt bald eine Besucherin zu ihrer Freundin. Ein Stück Heimat: manchmal gehasst, aber irgendwie immer auch geliebt.

Der Raum, der an der Kleinen Bühne normalerweise die Garderobe beherbergt, wurde zum Kurzfilm-Kino umgerüstet. Vier Beiträge waren hier zu sehen, darunter Herrliches aus der Kategorie „höherer Blödsinn“ - Stichwort: Castingwahn. Im Hof vor der Bühne wurden einstweilen Bilder von früheren Ausstellungsprojekten gezeigt. Einzelne gerahmte Fotos standen hier, von Efeu umrankt, vor den strengen Betonwänden der angrenzenden Sporthalle - ein interessanter Verfremdungseffekt. Als man es sich innen gerade auf den Sesseln bequem machen wollte, begann die Show von „Trashboy“. Die Band aus Rösrath spielte in einer Unplugged-Besetzung mit akustischen Gitarren und Keyboards. Was sie machen, kann wohl als Indie-Pop bezeichnet werden. Schon musikalisch in einem eigenen Fahrwasser unterwegs, mit Songs, die immer wieder Haken schlagen, blieben besonders die deutschen Texte im Gedächtnis. Schön, dass noch jemand tiefer schürft, als der gängigerweise als alternativ geltende Befindlichkeitspop das tut.

Noch einmal zu sehen sind die Fotos und Filme der Ausstellung am Freitag, 11. Juni, 19 Uhr, im Rahmen der „Szenebar“.

Letzte Aktualisierung ( 07.06.2010 )
 
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