Showtime - Kritiken PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
02.05.2006
Kritiken zu unserem Stück fanden wir in der Rhein Erft Rundschau und im Kölner Stadtanzeiger. 

Artikel aus der Rhein Erft  Rundschau vom 01.05.2006:

Schielende Schafe als Quotenkiller

Rhein Erft RundschauERFTSTADT. Cholerische Ausbrüche sind im Büro von Programmdirektor Kuttner (Stephan Nichtweiss) an der Tagesordnung. Sein Privatsender mit dem Titel „TV69 - Abschalten können Sie woanders“ ist in der Krise, denn die Quoten der Talkshow sind schlecht. „Jede Sendepause hat mittlerweile mehr Zuschauer“, resümierte Kuttners Vorgesetzte (Elke Rühl). In der neuen Produktion des Amateurensembles „Szene 93“, die jetzt im Blessemer Eck Premiere hatte, hagelt es Medienschelte en masse, besonders gegen die privaten Sender.

Die schielenden Schweine in der jüngsten Show haben die Quoten der Talkshow endgültig in den Keller rutschen lassen. Aber da gibt es die rechte Hand des Programmchefs, die intrigante Cora (Irmtraud Schmidt-Wachtmeister), die wie ein schwarzer Racheengel omnipräsent das Geschehen zu bestimmen versucht, um selbst Direktorin zu werden. Ein neuer Showmaster (Daniel Forschbach) muss her, um den weinerlichen, dem Alkohol und der Melancholie verfallenen Ex-Moderator (Sascha Mohme) abzulösen. In vier Wochen muss die Show aufgemotzt werden, sonst ist Kuttner erledigt.

Eigene Erfahrungen einfließen lassen

„Showtime“ hat der junge Autor Sascha Mohme, der auch Regie führt, seinen Dreiakter genannt. Da schöpft Mohme als abgehalfterter Moderator aus eigenen Erfahrungen, denn er hat selbst hinter die Kulissen der großen Sender geblickt. Was er dort an zwischenmenschlichen Tragödien erlebt hat, an Abgründen, die sich auftun im Kampf um Anerkennung und Ruhm, hat ihn zu dieser beißenden Satire inspiriert. Seine Bilanz: Gefühle bleiben auf der Strecke, jeder ist nur auf den eigenen Vorteil bedacht und will die Konkurrenten in die Pfanne hauen. Nur solange die Quote stimmt, wird man hofiert. Das muss auch die junge Schauspielerin (Anna Schütten) feststellen, die gefeuert wird, weil sie keine Nacktszene spielen will. Der überkandidelte Maskenbildner - köstlich gespielt von Philipp Wasmund - wittert seine Chance. All das macht die Truppe so beklemmend glaubhaft, dass einem oft das Lachen im Halse stecken bleibt. Knackige Dialoge und schonungslose Statements gibt es zuhauf.

Ganz so pessimistisch lässt Mohme den Blick hinter die Kulissen aber nicht enden. Eva Wasmund verkörpert als Redakteurin eine Vision. Aber dieser Gegenentwurf findet nur außerhalb des Fernsehens statt. Weitere Aufführungen sind am 6. und 13. Mai, jeweils um 20 Uhr, sowie am 7. und 14. Mai, jeweils um 18 Uhr im Blessemer Eck. (mum)

 

Artikel aus dem Kölner Stadtanzeiger von SILKE RIESE, 01.05.06, 07:13h

Gescheiterte Existenz in verlogener Welt

Erftstadt-Blessem - Leichenblass sitzt Harald Kuttner (Stephan Nichtweiss) am gläsernen Schreibtisch seines schicken Büros. Seine Tage als Programmdirektor des Senders „TV 69“ scheinen gezählt. Es sei denn, er schafft es, auf dem Sendeplatz der Max Schleicher Show eine neue Quoten bringende Talkshow zu etablieren - koste es, was es wolle.

„Showtime“ heißt das neue Stück von der Jugendtheatergruppe „Szene 93“, das Samstagabend im „Blessemer Eck“ aufgeführt wurde. Das Drehbuch stammt von Sascha Mohme, der seit drei Jahren bei „Szene 93“ mitspielt. Der 32-Jährige übernahm auch die Regie. Er hat selbst schon bei privaten und öffentlich rechtlichen Sendern gearbeitet. „Natürlich ist alles sehr überspitzt und im Zeitraffer dargestellt“, erklärt er. Dennoch seien viele Dinge nicht aus der Luft gegriffen. „Ich verfolge seit Jahren den Kampf um Quoten und Jobs in der Branche.“

Die schwarzhumorige Mediensatire bescheibt in zynischer Weise eine verlogene Medienwelt ohne Erbarmen. Mohme selbst spielt dabei die Rolle des Moderators Max Schleicher, der nach seinem Rauswurf und nach Alkohol und Drogenexzessen in der Nervenklinik endet. Dabei zeigt er gekonnt die Verzweiflung und Kraftlosigkeit einer gescheiterten Existenz. Den Wechsel zwischen der Rolle des knallharten Bosses und dem schleimenden Angsthasen vermittelt Harald Kuttner alias Stephan Nichtweiss. Er folgt devot jeder Anweisung, sobald Senderchefin Caroline Königsberg (Elke Rühl) ins Büro kommt.

Benny (Philipp Wasmund)Besonders überzeugend spielte auch Kuttners intrigante Assistentin Cora (Irmtraud Schmidt-Wachtmeister), die mit unterkühlten sarkastischen Kommentaren ihre Eiseskälte vermittelte, ohne eine Miene zu verziehen. Einen guten Kontrast im gnadenlosen Machtkampf bot Benny (Philipp Wasmund), der schwule Maskenbildner, der mit grünem Liedschatten und flotten Sprüchen das Publikum immer wieder zum Lachen brachte. „Mir war die Rolle des Benny sehr wichtig, um die Geschichte nicht ganz so schwer wirken zu lassen“, erklärte Mohme.

Weitere Aufführungen von Showtime sind am Samstag, 6. Mai um 20 Uhr, am Sonntag 7. Mai um 18 Uhr, am Samstag, 13. Mai um 20 Uhr und am Sonntag 14. Mai um 18 Uhr im Theater im Blessemer Eck, Frauenthalerstraße 109 .

 

Letzte Aktualisierung ( 16.05.2006 )
 
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